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Cisco-Chef sieht gute Entwicklung bei Digitalisierung – Kritiker geben Bundespolitik schlechte Noten

03.06.2022
Entwicklung DigitalisierungWenn es um die deutsche Digitalisierung geht, sind die Fronten aufseiten der Kritiker und Befürworter der politischen Pläne und Ziele seit Jahren verhärtet. Dabei zeigt sich auch zwischen der Position des Bundes und der Länder deutlich unterschiedliche Ansätze. So sprachen sich etliche Länder zuletzt gegen den von der Bundesregierung befürworteten Vorschlag der Bundesnetzagentur zu Mindestraten von zehn Megabit pro Sekunde für eine flächendeckende Anbindung der Haushalte und Unternehmen aus. Ein solcher Wert gehe schlicht an der Realität vorbei. Unter Federführung des Landes Niedersachsen gibt es mittlerweile einen Gegenentwurf, der eine Download-Rate von mindesten 30 Mbit/s empfiehlt. Bei aller Kritik am Vorhaben der Ampelkoalition gibt es jedoch ebenfalls Experten, die die Lage beim Thema Digitalisierung weniger pessimistisch bewerten. Einer von ihnen: Uwe Peter, seines Zeichens Deutschland-Chef beim IT-Dienstleister Cisco.

Auf der renommierten Hannover Messe äußerte Peter, die deutsche Industrie befinde sich auf einem durchaus guten Weg hinsichtlich der Umstellung auf schnelleres Internet. Vielmehr sprach der Manager von einer „ungebrochenen Innovationskraft“, die hierzulande bei Unternehmen erkennbar sei.

Deutsche IT-Entwicklung – besser als ihr Ruf?

Genau genommen, so Peter, arbeiteten die Industrieunternehmen in Deutschland sogar auf Hochtouren an einer schnellen Abkehr von veralteten Standards auf den neuen WLAN-Standard „WiFi 6“. Die Umstellung erfolge längst „in Lichtgeschwindigkeit“, so die Einschätzung des Chefs der Deutschland-Tochter des US-Konzerns Cisco Systems, Inc. Vergleichbar gute Entwicklungen sehe sein Unternehmen weltweit in keinem anderen Land. Von den wiederkehrenden Aussagen, die deutsche Wirtschaft drohe regelrecht den internationalen Anschluss bei digitalen Modernisierungen zu verlieren, hält der Manager also wenig. Als Bestätigung seiner Bewertung verwies der Cisco-Deutschland-Chef auf die Tatsache, dass eine ganze Reihe deutsche Unternehmen in ihren jeweiligen Branchen nach wie vor die Führungsrolle auf dem Weltmarkt innehaben.

Mobilität für deutsche Verbraucher und Unternehmen wichtiger als Digitalisierung

Der Vollständigkeit halber teilte Peter zwar mit, Deutschland habe den allgemeinen Digitalisierungstrend zwar nicht „verschlafen“. Auf der anderen Seite attestiert der Manager, es gebe durchaus einige Branchen und Unternehmen, denen der Ausbau digitaler Geschäftsmodelle und Dienstleistungen unterm Strich durchaus schwerfalle. Für Peter war diese Erkenntnis Grund genug, eine Lanze für eine Art „digitale Grundbildung“ innerhalb des deutschen Schulsystems zu brechen. Es fehle an schulischen Angeboten im IT-Kontext, wenngleich dies neben etablierten Lerninhalten in Bereichen wie der Physik oder Biologie durchaus erforderlich sei.

Der deutsche Cisco-Manager äußerte auf der Messe den klaren Wunsch, dass sich hier in Deutschland endlich mehr tun müsse. Als Vergleich diente dabei das Beispiel eines Flugs in die USA. Deutsche Reisende würden eher Zeitschriften mit Bezug zum Automobilsektor bevorzugen, während Fluggäste auf dem Rückweg eher Computerzeitungen bevorzugen würden. Diesbezüglich sieht Peter also die Notwendigkeit zum Umdenken.

Sorgenkind „digitale Entwicklung“ – FDP-Ministerien stehen medial unter Beschuss

Interessant ist vor diesem Hintergrund die derzeitige Debatte über die politischen Ziele der Bundesregierung. Die mediale Kritik wiegt schwer. Sowohl der Finanzminister Christian Lindner als auch sein FDP-Kollege Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr im Kabinett von Bundeskanzler Scholz, erhalten beim Thema Digitalisierung eher schlechte Noten. Mancher Kritiker sieht durch die Maßnahmen der besagten Ressorts bestätigt, dass die FDP eher im Sinne der Großverdiener und Autofahrer handelt, als wichtige Marken im Sinne der Digitalisierung zu setzen. So heißt es in etlichen Berichten, die deutsche Bundesregierung laufe einmal mehr Gefahr, unverzichtbare Schritte hin zu einer besseren Digitalisierungspraxis aus den Augen zu verlieren. Ein wirkliches „Digitalministerium“, wie es die liberale Partei selbst im Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl gefordert hat, sucht man nach Auffassung vieler Experten derzeit vergebens.

Ein ebenso beliebtes wie gängiges Beispiel ist hierbei die schlechte Ausstattung vieler Behörden – etwa der Gesundheitsämter, die noch immer in vielen Fällen eher auf Faxgeräte zurückgreifen müssen.

Andere Ministerien präsentieren sich deutlich engagierter

Die Tatsache, dass die Digitalisierung weiterhin im Kompetenzbereich des Verkehrsministeriums liegt und noch immer nicht den verdienten politischen Stellenwert als eigenständiges Ministerium hat, erntet bis heute nicht nur Kritik, sondern oftmals auch Spott und Hohn. Nichtsdestotrotz spielt der Bereich „Digitales“ in der finanziellen Planung des deutschen Verkehrsministers noch immer gefühlt eine eher untergeordnete Rolle. Immerhin: SPD-Innenministerin Nancy Faeser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die deutschen Polizeibehörden schneller „ans Netz“ zu bringen, um auf die digitale Radikalisierung reagieren zu können. Für wichtig halten Kritiker digitale Fortschritte auch mit Blick auf die vermeintlich nächste Coronawelle ab Herbst 2022. Ganz zu schweigen vom Maßnahmen zur Eindämmung sozialer Unruhen, die häufig vor allem im Internet ihren Anfang nehmen.

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